Links

Letztes Feedback

Meta





 

Jetzt und Sofort - mit Tempo 100 gegen die Wand

 Heute kommt mein Chef zu mir, er hat eine neue Aufgabe. Sie ist dringend und muss sofort erledigt werden. Sein eigener Chef hat sie ihm erst eben gegeben und die Zeit drängt. Kaum mache ich mich ans Werk klingelt das Telefon. Kurze Zeit später kommt ein Kollege mit einer weiteren Aufgabe, die erledigt werden muss ... und zwar sofort. Zwischendurch kommt per whatsapp die Nachricht von meiner Mutter, dass eine wichtige Angelegenheit geklärt werden muss ... und zwar sofort. Abends ruft ein Freund an, sie haben sich beim Umziehen verplant und brauchen dringend eine zusätzliche Hand... und zwar sofort. Meine Vermieterin schreibt, es gibt etwas zu erledigen ...

Ich fühle mich als würden tausend Menschen an mir zerren, als wollten sie mich in kleine Stücke zerreißen. Unsere Welt hat es verlernt zu warten. Alles ist dringend und alles muss sofort erledigt werden. Dabei sind es oft nur die unwichtigen Dinge, die wir sofort anpacken können. Alle großen und wichtigen Angelegenheiten haben eine langfristige Perspektive. Alle Aufgaben, die uns wirklich beschäftigen sollten, benötigen Zeit und wollen ebenso langfristig geplant und vorbereitet werden. Gute Beziehungen benötigen Zeit und weise Vorbereitung. Was dagegen sofort Ergebnisse liefert ist meist nur von geringer Dauer und auf lange Sicht bedeutungslos.

Aber so schnell wie dieser Blog mit nur einem Mausklick ins Internet gestellt werden kann, so schnell soll auch alles andere in unserem Leben funktionieren. Sogar unsere Beziehungen. Dabei benötigen gerade diese Zeit zum Wachsen und sich wahrhaftig Kennenlernen.

Unsere ganze Zivilisation steuert mit Tempo 100 auf eine Wand zu, doch statt zu bremsen drücken wir noch stärker aufs Gaspedal. Wenn es schon kracht dann bitte richtig laut.

Entschleunigung ist zu einem Modewort geworden, das diesem stärkeren Megatrend entgegenwirken soll. Doch ist Entschleunigung oft ohne wirkliche Inhalte. Wir entschleunigen zwischen 13:00 Uhr und 14:30 Uhr. So funktioniert es nicht! Damit durchbrechen wir diesen Teufskreis nicht. Was es benötigt ist ein fundamentales Umdenken: Können wir die Geschwinidkgeit nicht nur dann erträglich machen (ausbremsen wäre schon zu viel gesagt), wenn wir unsere Prioritäten neu überdenken?
Wollen wir denn wirklich unser ganzes Leben dem Kurzfristigen opfern? Macht uns das wirklich glücklich? Liegt wahres Glück nicht im Sinn und ist Sinn nicht immer etwas langfristig orientiertes?

Ich kann natürlich durch die Welt gehen und immer nur auf die Quartals- im modernen Computerzeitalter vielleicht gar die tagesaktuellen Zahlen schauen. Immer nur ans Heute denken, alles sofort wollen, nur das schnelle wertschätzen, kein morgen kennen, und nur das kurze Glück suchen. Aber am Ende wird sich immer offenbaren welche Substanz wirklich hinter diesen kurzen Momenten steckt. Wahrhaftigen Erfolg und wahres Glück werde ich nur mit Blick auf das haben, das den Moment überdauert. Diese Dinge brauchen zwar Geduld, aber sie lohnen sich.

Ist es nicht besser seine Gedanken darauf zu richten, welche Investitionen sich auch in Zukunft als tragfähig erweisen? Diese kann ich nicht sofort entscheiden. Ich muss die Entscheidung erst von allen Seiten beleuchten. Die heutige Rendite erzeugt einen kurzen Erfolg, aber nur heute. Ist sie mein einziger Maßstab wird schon schnell der heute hohen Rendite die Insolvenz folgen. Mit dem bloßen Blick auf das Jetzt werde ich das Heute zwar puschen, aber morgen vor dem Ende stehen. Und das gilt nicht nur im Beruf, auch in meinen Beziehungen. Heute mag ich vielleicht mit jemandem auf der Diskotoilette eine gewisse Befriedigung finden, aber auf lange Frist zerstöre ich mein Seelenleben. Ist es nicht viel erstrebenswerter alle Energie auf eine tragfähige Beziehung zu setzen? Die zwar einer ständigen Pflege und viel Geduld bedarf, bei der ich dann aber auch mein tiefstes Inneres ausschütten kann, die mich wirklich kennt und liebt?

Es mag vielleicht kurz glücklich machen den kurzen Momenten nachzujagen. Aber am Ende lande ich nur in einer Abhängigkeit, ich brauche sie in immer größeren Dosen. Ich werde zum Sklave meinerselbst. Ist es nicht viel sinnstiftender mein ganzes Streben auf die Ewigkeit auszurichten, wo ich doch von Gott alles geschenkt bekomme, das ich benötige?

Was unsere Welt braucht ist ein radikales Umdenken: Wir müssen unsere Prioritäten neu ordnen, unseren Blick nach vorne richten. Wir müssen den Dingen die Zeit lassen, die sie benötigen, weise und auf Dauer ausgelegte Entscheidungen fällen...

...und dann macht mir auch der Alltagsstress nicht mehr so viel zu schaffen. Wenn das große Ganze einem vernünftigen und glückschöpfenden Plan folgt, kann mein Chef mir mit seinen Aufgaben nichts anhaben.

Ich segne alle euch, die ihr diesen Blog lest!

 

1.10.14 17:43

Letzte Einträge: Tja jetzt dann eben Wordpress

bisher 2 Kommentar(e)     TrackBack-URL


schepper / Website (3.10.14 11:54)
Wo ich deinen Eintrag lese fällt mir nur der Sonntag ein- wie viele Menschen machen noch einen Sonntag? Nehmen sich die Zeit für einen Ruhetag?... Jeder Sonntag den ich als Ruhetag nutze gibt mir Kraft und Gelassenheit in die ganze nächste Woche...
Für alles gibt es eine bestimmte Stunde. Und für jedes Vorhaben unter dem Himmel gibt es eine Zeit
Prediger 3,1
viel mir grad noch dazu ein... auch wenns nur wenig damit zu tun hat... ich glaube mit dem vorletzten Satz hast dus auf den Punkt gebracht.
Gruß
schepper


Utopio (3.10.14 16:25)
Danke fürs Feedback. Recht hast! Der Ruhetag hat einen ganz praktischen Sinn. Wir sind halt leider oder zum Glück keine Roboter. :-)

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)

Die Datenschuterklärung und die AGB habe ich gelesen, verstanden und akzeptiere sie. (Pflicht Angabe)


 Smileys einfügen